Allgemein

Selbstoptimierung durch Lockdown

Im letzten Beitrag „Der Lockdown tut dir gut“ verwies ich ständig auf sämtliche Veränderungen. Genauer darauf eingegangen, bin ich allerdings nicht. Das liegt daran, dass es nicht einfach ist, diese kurz und präzise zu beschreiben. Zum einen ist es nun mal so, dass es nicht möglich ist, jeden Gedankengang nachvollziehbar wiederzugeben, zum anderen resultieren auf einigen Überlegungen äußere Abbildungen, die sich somit auch präsentieren ließen. Diese Auswirkungen sind allerdings ausschließlich für mich und mein Leben besonders, für manch andere gehören diese Veränderungen vermutlich zum Alltag oder andersherum – werden nicht einmal in Betracht gezogen. Meines Erachtens nach ist es klar, dass jegliche Veränderungen auf diesen Prozess zurückzuführen ist. Für andere muss diese Veränderung nicht zwingend einen Zusammenhang mit der Selbstoptimierung haben.

Beispiel:

Neues iPhone – was fällt auf? Beispielsweise die neue Kamera. Apple hat aber nicht das selbe Smartphone ein Jahr später erneut, nur mit einer neuen Kamera, herausgebracht. Alle neuen Updates bekommen wir ohnehin nicht mit, aber nach und nach fallen einem immer mehr Änderungen auf.

Aber es gibt auch welche, für die eben nicht jeder Mensch zugänglich ist. Bleiben wir in unserem Beispiel, Verbesserungen in den Modi für Sehbehinderte oder ähnliches. Damit habe ich, als gesunder Mensch, niemals Überschneidungsgebiete, daher bemerke ich diese Optimierungen natürlich auch nicht.

Na ja, nun weg vom Beispiel.

Ich will euch nicht nur erzählen, was passiert ist, sondern auch wieso und wie ich das angestellt habe. Vielleicht hilft es ja irgendwem. Kurz um, ich fing an, mir über mein Leben Gedanken zu machen. Gefällt mir denn mein Way of life momentan? Ich wusste nur, dass ich irgendwo in mir unsicher und unzufrieden bin. Ich habe so viele Dinge in meinem Kopf, die ich mache, machen will und machen muss, aber am liebsten sein lassen würde. Dann gibt es noch Themen, die mich interessieren, Menschen oder Aktivitäten, die ich mag, für die ich oft keine Zeit übrig habe.

In meinem Kopf herrschte pures Chaos und ich versuchte bis dato allem, wie auch mir, gerecht zu werden. Nicht selten überkam mich das Gefühl, dass ich nur von Verbindlichkeit zur Verbindlichkeit hetze. Darunter hätte ich bestimmt gelitten, wenn ich Zeit gehabt hätte, um darüber nachzudenken. Ich räumte mir selbst keine Sonderposition ein, sondern maximal so viel, wie andere auch von meiner Zeit bekommen. So ging alles irgendwie. Nichts schlecht und nichts gut, aber es funktionierte. Sodass ich irgendwann auch eine Art Beschäftigungsdrang entwickelte. Man könnte es auch mit einer Beschäftigungstherapie vergleichen – Wer beschäftigt ist, hat keine Zeit zum Nachdenken.

Mir ist das zwar nicht wirklich zu viel gewesen, aber ich hätte am liebsten mein Gehirn manchmal sortiert und aufgeräumt, so wie man das bei seiner Wohnung eben auch tun würde. Da man dafür auch etwas mehr Zeit benötigt und der Arsch ja auch noch nicht auf Glatteis, lief schob ich das vor mir her, so wie sich das für unliebsame Aufgaben eben gehört. Als ich dann, coronabedingt wie so viele auch, nach Hause zitiert wurde und plötzlich jegliche Verpflichtung wegfiel, hatte ich allerdings keine Ausrede mehr für mich selbst parat. Also musste ich irgendwie starten. Da das aber nicht so einfach geht, dachte ich mir, dass es ganz gut ist mein Leben auf dem Papier etwas zu sortieren.

1. Schritt

Ich besorgte mir ein Notizblock.

Auf einer Art Mindmap schrieb ich zunächst alle Kategorien, die in meinem Leben eine Rolle spielen auf. Das hatte nicht die beste Ordnung, aber das sollte schließlich auch nur der Anfang sein.

  • Studium
  • Stuttgart
  • Zu Hause
  • Freunde
  • Beziehung
  • Sport
  • Politik
  • Kunst
  • Dinge, die mir wirklich Spaß machen

Diese Punkte wurden noch mit einzelnen Details verbessert und voilá ich hatte mein Leben, wie ich es sehe, auf einer DinA 4 Seite skizziert.

Damit war der Grundbaustein geschaffen.

Ich fing an Gefallen an solchen Kopf-Sortier-Arbeiten zu finden. Also kamen ständig neue Spalten, Vertiefungen etc. dazu.

Irgendwann verband ich Dinge, Personen und Aktivitäten miteinander, die selbst im geringsten was miteinander zu tun haben. Ich wollte einen roten Faden finden. So fing ich an alles auf der Liste zu werten und zu hinterfragen. „Wieso steht es überhaupt auf der Liste?“ Ist eigentlich auch nur die selbe Frage wie „Brauch ich das wirklich in meinem Leben?“ – Weil es mir Spaß macht, oder mir weiterhilft, oder einfach nur, weil es schon immer da gestanden hätte?

Mit diesem Gedanken fing ich zu Priorisieren an. So konnte ich ganz einfach entscheiden, was mehr und was weniger Zeit von mir bekommt.

Nachdem meine Kategorien nach und nach bewertet wurden, musste das nur noch mit einem simplen Zeitplan konfiguriert werden. Das gelingt am besten durch das Probieren, denn die Planung sollte einem schließlich auch nicht zur Falle werden.

Hier folgten meinen Gedanken erstmals Taten, denn ich räumte nur noch das Nötigste an Zeit für die Dinge, die nicht an meinen roten Faden gekoppelt waren, ein. Und tatsächlich war die Folge dessen eine immense Qualitätsverbesserung. Nicht mehr jedem und allem gerecht zu werden, was ohnehin schon nicht immer ging, aber das mit mir selbst auch zu vereinbaren führte zu einer Leistungssteigerung in den anderen Kategorien.

Schritt 2

Also, was will ich mal werden?

Als junger Mensch, der gerade noch am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht, muss ich mir natürlich über meine Zukunft Gedanken machen. Ich wusste zwar, dass ich nicht zufrieden mit meiner bisherigen Aussicht im Arbeiterleben, aber ich wusste auch nicht, was ich wirklich mal tun möchte. Ich setzte mich nie unter Zeitdruck, denn ich habe ja schließlich eine Absicherung.

Wenn ich aber nicht aufpasse und mir keine Träume und Ziele stecke, bleibe ich mein Leben lang in dieser Absicherung stecken und finde keinen Weg mehr heraus. Denn, wenn ich mich darauf verlasse, eines Morgens aufzuwachen und mein berufliches Ziel plötzlich zu kennen, habe ich mich aber auch töricht geschnitten.

Nach meinem ersten Schritt wusste ich ja schon mal worauf ich mich eigentlich fokussieren möchte und wo meine Interessen momentan liegen.

Man merkt, Schritt 1 muss zwingend sorgfältig bearbeitet werden, sonst hängt man hier fest.

Denn ab hier googlete ich einfach mal drauflos, was es in den Richtungen denn so gibt und machte mir Notizen dazu. Schaute auch umher, was mir vielleicht noch unbekannt ist, mir aber gefallen könnte. Um ehrlich zu sein ist dieser Blog hier ein Produkt dieser Recherche. Nach langen Überlegungen habe ich mich dazu entschieden nach meinem jetzigen Studium Journalistin und Autorin zu werden.

Ich wollte aber nicht nur reden, sondern auch einfach meinen Worten Taten folgen lassen und wer weiß, vielleicht gefällt mir das Schreiben nicht in der Art, in der ich es mir vorgestellt habe. Nach meinem Abitur im Frühjahr 2019 habe ich schließlich keinen Aufsatz mehr geschrieben, wusste also auch gar nicht mehr, wie das denn so ist. Also startete ich das Projekt: Erfahrungen sammeln, Feedback bekommen und mich verbessern

  1. Schritt

Allerdings ist es mit der Entscheidung der beruflichen Orientierung nicht geschehen. Die Zukunft ist damit auch noch nicht durchdacht, also eröffnete ich eine neue Seite in meinem Notizblock. Hier formulierte ich meine Träume und Ziele, so konkret wie es nur möglich war aus.

Ich beantwortete Fragen, wie diese:

  • Wo sehe ich mich in 5 Jahren?
  • Was möchte ich in meinem Leben auf jeden Fall noch tun?
  • Was für ein Leben will ich in 20 Jahren führen?

Ich fing an diese Punkte mit den, aus der Mindmap, zu verbinden und suchte erneut nach einem roten Faden. Alles was ins Leere lief hatte dementsprechend keinen Sinn, und wenn etwas keinen Sinn für mich selbst hat, wieso steht es dann in meinem Schaubild?

Mit diesem Schritt wurde ohne auch nur einen Gedanken an Verluste radikalisiert, denn Erkenntnissen folgen bekanntlich Taten. Ich meldete mich aus einer Vereinstätigkeit ab, beendete eine Beziehung und verkleinerte mein Umfeld. Das klingt vermutlich etwas hart, aber nach nur 2 Wochen Eingewöhnungszeit ging es mir um einiges besser. Jetzt weiß ich was ich tun möchte, wo ich hin will und wie ich das alles einleite. Seit dieser Erkenntnis widmete ich mich den Dingen, die mir Spaß machen oder einen Sinn erfüllen. Dadurch wuchs ein genereller Ehrgeiz in mir und ich hatte langsam das Gefühl, dass ich an einem Tag viel geschafft bekommen möchte.

Schritt 4

Also musste ein besseres Zeitmanagement her, damit mein Gehetze und die innere Unruhe nun auch endlich Schnee von gestern werden. Deswegen begann ich alles konkret zu planen. To-Do Listen für Tage, Lerneinheiten, Wochenenden, für alles, damit ich immer weiß wann irgendwas zu tun ist, bzw. wenn ich es mal versäume, was nachzuholen ist. Ich fing an mir Routinen zu formen und diese zu optimieren, außerdem informierte ich mich über Supplements, die ich in meinen Tagesablauf einbauen könnte, um diesen zu verbessern.

Die Folge von dem ganzen Procedere? Nun habe ich sehr viel Zeit für mich und meine Bedürfnisse. Ich fing wieder an regelmäßig zu zeichnen, weil ich mich daran erinnerte, dass mir das unglaublich viel Spaß gemacht hat. So fand auch das Lesen und Meditieren einen ganz eigenen Platz in meinem Leben. Außerdem schaue ich mir endlich mal wieder eine Sitcom an, einfach weil mich ich das unglaublich amüsiert. Ich startete diesen Blog und gehe oft spazieren. Dem folgen Anreize für ganz viele neue Dinge, die ich ausprobieren möchte. Außerdem bin ich gerade dabei eine Morgenroutine zu erstellen und schaue mich nach Menschen um, die das selbe durchmachen oder durchmachten, um mir etwas von ihnen abzuschauen. Meine Lebenseinstellung hat einen Wandel durchlebt. Ich habe das Gefühl von innen heraus glücklich zu sein und das auch nach außen zu tragen. So hat mein ganzes Umfeld was davon. Die größte Errungenschaft ist wohl die Gelassenheit, die neu in mir eingezogen ist. Tatsächlich bin ich auch etwas aufgeregt und interessiert an den Fortschritten, die ich in Zukunft noch machen werde.

Ich hätte mir diese Zeit, mein Leben zu überdenken, sortieren und danach anzupassen schon so viel früher nehmen sollen, aber ich bin froh und stolz, dass ich es noch in meinen späten 10ern getan habe, denn so habe ich noch die Chance alles dahin zu lenken.

Ein Kommentar

  • naturepoetrygirl

    Schön, dass du uns am dem Prozess teilhaben lasst. So eine Mindmap hatte ich auch vor einem Jahr begonnen, wichtig wird sein, sie von Zeit zu Zeit nochmal rauszukramen, sich die Dinge nochmal bewusst zu machen. Alles Gute weiterhin. Liebe Grüße rox

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