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Du sollst nicht begehren deines nächsten…

Über Neid, Erfolg und Social Media…

Ich habe mir die letzten Wochen vereinzelt meine ersten Blogposts durchgelesen. Da ich noch nicht so lange dabei bin, sind sie auch noch nicht wirklich alt. Den ersten Text schrieb ich vermutlich im September 2020. Kein großer temporärer Unterschied. Allerdings meilenweit von der Qualität der neueren Texte entfernt. Nicht, dass diese Worte hier das non plus ulta wären. Nichtsdestotrotz sehe ich eine Verbesserung im Vergleich zum Anfang und das darf ich auch stolz verkünden.
Die Übung macht den Meister. Denn vom Himmel ist noch keiner gefallen.

Die Freude eines Erfolgs muss leider jeder Mensch mit sich alleine feiern. Denn, selbst wenn es andere interessiert, ist es den Meisten nicht möglich dieses Gefühl nachzuempfinden. Der Mensch ist, auch wenn er es verheimlichen möchte, egoistisch. Auch der empathischste Mensch „leidet an“ dem Egoismus. Der Erfolg anderer verbessert das eigene Leben nicht, also ist es nicht einfach, dafür aufrichtige Freude zu empfinden.
Gegenüber Familie, Freunden und Partner ist es noch am wahrscheinlichsten die Begeisterung ehrlich zu teilen. Da sie im Herzen verankert sind, ist es möglich für sie aufrichtige Gefühle zu empfinden. Nur mit Ihnen ist Freude und Glück zu teilen möglich.
Im Gegensatz dazu gibt es im Leben auch noch Bekanntschaften, Fremde und „verhasste Menschen“. Hier stelle ich folgende Hypothese auf:
Je geringer der Bezug, desto gleichgültiger empfindet die außenstehende Person. Allerdings impliziert diese Aussage nicht, dass mit mehr Nähe die Freude nachempfunden werden könnte. Wenn die Person, die einen Erfolg erlangt in deinem unmittelbaren Bekanntenkreis ist, empfinden die Menschen meist Missgunst.
Sie fühlen sich bedroht. Müssen sich in einer Art über diesen Erfolg stellen oder ihn (was viel einfacher ist) einfach schlecht reden.

Darstellung der inneren Reaktionen (orange) der Menschen (verschiedener Innigkeit – weiß) auf (deinen) Erfolg

Das ist die Natur des Menschen. Wir sind unglaublich kompetitiv. Das heißt, dass wir in allem und jedem einen Wettkampf sehen können. Das Leben ist das Spiel. Besser zu sein scheint das Ziel zu sein. Aber wer gegen wen antritt, steht nicht in der Anleitung. Deswegen suchen sich viele direkte Konkurrenten (o. Vorbilder). Meist haben sie Ähnlichkeit zum eigenen Wesen. Oft stimmt das Ziel mit dem eigenen über ein. Das kann Antreiben und Helfen, solange dies in einem gesunden Maß stattfindet. Allerdings sollte sich keiner die ganze Welt als Konkurrenten aussuchen. Denn hier wirst du niemals gewinnen.
Aber ist es denn wirklich das absolute Ziel besser als jemand anderes zu sein?
Wer das Spiel verstanden hat, wird merken, dass das eigentliche Ziel lautet besser als das frühere selbst zu sein.

Mit der Zufriedenheit kommt die Gönner Bereitschaft. Zufrieden bist du erst, wenn du deine innere Unruhe und Ungewissheit gestillt hast. Ich glaube, dass das Mitempfinden von Freude der Mitmenschen das eigene Leben verbessert. Das ist nämlich der Beweis dafür, dass man mit dem eigenen Leben glücklich ist und der Neid gegenüber anderer komplett erloschen ist.

Mit diesem Wissen, frage ich mich als Teil dieser Social Media Generation, was das ständige Präsentieren bewirken soll. Denn gerade auf solchen Kanälen folgen eben nicht nur Familie, Freunde und Partner. Zu der Followerschaft zählen gerade Bekannte oder komplett Fremde. Paradox, dass wir gerade mit diesen Leuten unglaublich viel teilen. Denn das sind keine Leute, die dir deinen Erfolg gönnen, oder gönnen würden.
Welchen Sinn ergibt das Teilen dann gerade? Zumal jeder von uns auch nur die Sonnenseite des Lebens präsentiert.
Der Betrachtende wird Neid empfinden. Was ist also das Ziel von Content Producern (= jeder, der einen Account aktiv nutzt)? Neid im Betrachter erzeugen, sodass man selbst die Anerkennung bekommt. Je mehr Neid, desto mehr Anerkennung.
Als Producer bist du allerdings auch Consumer. Also bist du auch Empfänger des Neides. Was dich in einen Wettbewerb zwängt. Du willst mehr Neid erzeugen, denn in diesem Minispiel ist das Ziel immer mehr Neid in anderen zu wecken.

Dieses Psychospiel treibt das Unterbewusstsein mit uns.

Nach dieser Erkenntnis löschte ich übrigens erstmal den kompletten Inhalt meines zuvor sehr aktiven (privaten) Instagram Accounts und habe seither auch nichts mehr gepostet. Um dieses Medium nutzten zu können, bin ich nicht reif genug.

DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN HAUS, HOF, VIEH UND ALLES, WAS SEIN IST! – das 10. Gebot

Ist es überhaupt moralisch vertretbar bewusst Neid der anderen zu provozieren?
…jemanden zum Mord anzustiften ist schließlich auch strafbar.

3 Kommentare

  • Uschi

    Das ist mal ne Interessante Fragestellung. Ob es „Sünde“ ist jemanden zum Neid anzustiften? Hmm aber machen wir das von natur aus nicht ständig? „Ich habe gerade ein Glas Wasser getrunken“ ist das jetzt eine Feststellung? Berichterstattung oder die Absicht den anderen neidisch zu machen? „Ich will auch… ich habe Durst“

  • Ursus van Draco

    Ja der Mensch an sich ist egoistisch, aber ich bin der Meinung , das man sich doch auch für die Erfolge anderer ehrlich und aufrichtig freuen kann.
    Und zwar dann, wenn der geleistete Erfolg in einem Bereich errungen wurde, der einem selbst nicht wichtig ist. Zum Beispiel wenn jemand eine schwere Krankheit überstanden hat (wer will schon krank sein) oder einen beruflichen Erfolg hatte (warum soll ich einen Erfolg in einem anderen Beruf haben wollen, wenn mich mein eigener voll und ganz beschäftigt?)
    Oder auch dann, wenn man selbst dazu beigetragrn hat das der andere Erfolgreich war.

  • Christoph

    Ein interessanter Beitrag!

    Zusätzlich zu den anderen Kommentaren gibt es vielleicht noch eine Sache zu bedenken: Die Erfolge anderer Leute können auch inspirieren und zeigen, was alles möglich ist. Das habe ich in meinem Leben sehr häufig gemerkt. Ich denke, dass auch das in der tieferen Natur des Menschen begründet liegt, denn der Mensch ist ja doch so etwas wie ein „Herdentier“. Das wird zumeist negativ als Herdentrieb (also als ein Zeichen von Dummheit und Kontrollverlust) aufgefasst, aber es hat auch positive Seiten, indem wir nicht jedes Rad neu erfinden müssen, sondern darauf aufbauen können, was andere schon vor uns erschaffen haben. Wir lassen uns inspirieren und haben vielleicht den Ehrgeiz, unser Vorbild zu überholen, oder irgendwann abzuzweigen und einen anderen Weg zu gehen. Das ist für mich in Ordnung, so lange man immer die Wichtigkeit der früheren Inspiration anerkennt.

    Daneben ist es auch so, dass sich viele Dinge gemeinsam machen und Erfolge zusammen feiern lassen. Das ist sicher ein spezifisches Problem von Social Media, dass es uns atomisiert. Alle sind verknüpft, aber doch irgendwie allein.

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