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Dein Charakter ist ein Zwischenstopp

Nur in Romanen sieht man Individuen mit einem konstanten Charakter durchs Leben gehen.

Gustave Le Bon

Die 0815 Frage jeden Vorstellungsgesprächs “ Können Sie sich selbst in 5 Wörtern beschreiben?“.

Vielen Menschen ist es möglich sich selbst anhand zutreffenden Adjektiven zu beschreiben. Wie die Selbstwahrnehmung mit der tatsächlichen Persönlichkeit übereinstimmt, spielt vorerst keine Rolle. Sich selbst einzuschätzen stellt eine anspruchsvolle Disziplin dar. Wenn man dann der Meinung ist, die richtigen Wörter gefunden zu haben neigt man dazu an diesen festzuhalten. In Anbetracht dessen stellt sich die Frage, ob es denn nicht kontraproduktiv sei, sich selbst mit Wörtern zu stigmatisieren. Durch das Zuschreiben mehrerer Charaktereigenschaften wird niemals das Gesamtpaket betrachtet. Man romantisiert diese Eigenschaften und steht auch offen und ehrlich dazu. Was ja erstmal gut zu sein scheint. Doch wie der Mensch so ist, steht er sich nicht gerne Fehler oder das eigene Versagen ein. Veränderungen widerlegen die ehemaligen Aussagen, wodurch die alten als fehlerhafte Aussage gewertet werden. Änderungen sind demnach schwer zu implementieren, weder bei sich selbst, noch im eigenen Umfeld.

Ist das eine mögliche Bedrohung der Natürlichkeit des Menschen? Wer sich selbst einer Rolle zugeschrieben hat und diese auch nach außen vertritt, neigt dazu sich in dieser festzufahren. Doch die Veränderung ist dem Menschen vorgegeben. Denn nur in Romanen sieht man Individuen mit einem konstanten Charakter durchs Leben gehen. Das eigene Selbst sollte demnach regelmäßig neu definiert werden.

Menschen nehmen Veränderungen nur ungern wahr. Das schließt auch die vom Menschen selbst erschaffene ein. Die eingeschränkte Sichtweise des Umfeldes ist oft das, was davon abhält, etwas Neues auszuprobieren. Die Angst vor Widerspruch hemmt die Entwicklung aller Art…

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Veränderung stellt eine Gefahr dar.

Der Urinstinkt der Menschen beschreibt das, was eine schlaue Persönlichkeit des 21. Jahrhunderts schon äußerte „Es bleibt alles so wie es ist“, danke Psychoandreas dafür. https://youtu.be/PNzRYXgW8gQ

Was passiert, wenn du plötzlich Veränderungen an dir selbst wahrnimmst?

Für dich sind diese schleichenden Veränderungen lange gar nicht bemerkbar. Da sich dein Wesen auch nicht von heut auf morgen verändert.

Ein Beispiel dafür wäre die Gewichtsabnahme: Die Menschen, die dich regelmäßig sehen, werden langsamer auf Veränderungen aufmerksam. Während die, die dich eher sporadisch zu sehen bekommen schnell bemerken, dass etwas passiert ist. Nach der Wahrnehmung kommt das Denken. Wie ist das passiert? Was ist verändert worden?-Sie isst wohl nichts mehr, macht Sport, trinkt kein Alkohol.

Dieser Gedankengang kann auf keinen Fall einfach so stehen gelassen werden. Was eigentlich seltsam ist, denn vor der Veränderung hat sich auch keiner für deinen Lebensstil interessiert. Nun fühlt sich dein Gegenüber angegriffen und hat das Gefühl sich verteidigen zu müssen oder deinen Erfolg schlecht reden zu müssen.

Ob es sich aber nun wie im Beispiel um Erfolg handle oder um eine Verschlechterung, ist dabei grundsätzlich egal. Eine Veränderung löst in anderen Unbehagen aus.

Veränderst du dich, hast du dich zu rechtfertigen.

Der Charakter ist das, was dich als Person ausmacht. Er wird lange Zeit von deiner Herkunft geprägt. Mit mehr äußeren Einflüssen und Abnabelung vom Elternhaus wird sich dein eigener Charakter formen. Und das passiert von ganz alleine. Du wirst viele Charaktere durchleben, manche sind deinem Ursprung ähnlicher, manche fremder. Aber bei einem endgültigen wirst du nicht herauskommen. Der Lebensweg ist nun mal eine Reise.

Deswegen kreuzen auch immer wieder andere Menschen, total verschiedene, den Lebensweg. Wie schwer ist es bitteschön an einer Geburtstagsparty jeder Freundesgruppe gerecht zu werden? Hier treffen Welten aufeinander, die alle andere Gesichter von dir kennen. Jeder hat auf eine andere Art und Weise eine Etappe in deinem Leben geprägt.

Ist es gesund, an Verbindungen festzuhalten, die zu anderen Zeiten unglaublich perfekt zusammengepasst haben, jetzt aber nur noch aus Gewohnheit bestehen?

Ich glaube, es ist in Ordnung ab und an in alte Muster zu verfallen und einfach so zu tun, als wäre man wieder oder immer noch die Person, von damals. Das ist schließlich kein Rückschritt, sondern ein nostalgisches Erlebnis, das dir am Ende des Tages bewusst macht, wie schön du es doch heute hast.

Die Entwicklung eines Menschen wird durch unglaublich viele Faktoren beeinflusst. Diese zu beobachten ist überaus interessant. Gibt es einschneidende Erlebnisse, beeinflussende Menschen, Orte, die die Veränderung veranlasst hat? Nicht jede Veränderung verbessert das Leben, doch auf jede Verschlechterung folgt eine Verbesserung, vorausgesetzt man gibt sich nicht auf.

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