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Das Leiden der jungen Erwachsenen

„Die Schule bereitet nicht auf das Leben vor! Ich habe keine Ahnung von Steuern, Versicherungen und Geldanlagen …“

Diese Aussagen treffen (ehemalige) Schüler und Schülerinnen immer und immer wieder. Meist finden sie sogar Zuspruch.

Allerdings sehe ich das etwas anders. Es mag zwar stimmen, dass in der Schule viel gelehrt wird, was nach Ablauf der Schulzeit nicht mehr benötigt wird. Klar, ist der junge Erwachsene nach dem Schulabschluss etwas verloren auf der Welt. Aber trägt allein der Lehrplan die Verantwortung dafür? Den Schulstoff generell möchte ich hier gar nicht kritisieren. Nach der Schule wird jedem bewusst, dass er von Hopfen und Malz keine Ahnung hat. Die Frage ist, wie damit umgegangen wird. Entzieht man sich der Verantwortung und kritisiert einfach weiter die Schule oder geht man die Sache an?

Entweder sie fliegen auf die Schnauze und entscheiden sich dann dazu liegenzubleiben oder aufzustehen und in der wahren Welt anzukommen und sich dieser anzupassen mit allem was dazu gehört. Die erste Möglichkeit hieße den Entwicklungsstillstand einer Person.

Um sich auf diese Probleme vorzubereiten habe ich hier die Post Graduate Probs, die ich bisher selbst erlebt oder beobachtet habe mit Hilfestellungen zusammengefasst.

In der Schule dreht sich alles um gute Noten. Noten definieren den Wissensstand. Auf einen miesen Wissensstand folgt dementsprechend auch keine zufrieden stellende Zensur. Doch ist die Hürde der Prüfung überstanden (Überstehen gleicht nicht dem Bestehen) ist das Thema vom Tisch und Erleichterung macht sich breit. Natürlich wird der versäumte Stoff nicht mehr nachgelernt, wieso denn auch? Das Wissen würde nie mehr abgefragt werden.

Das ist aus Sicht eines ehemaligen Schülers auf keinen Fall verwerflich. Für den Schulalltag ist das natürlich mehr als ausreichend, allerdings ist diese Lernweise zu Hinterfragen. Irgendwann benotet niemand mehr das Geleistete oder den Wissensstand, dann spricht nur noch Erfolg für das Können. Und Erfolg zeigt sich nicht sofort. Da die Motivation wegfällt bzw. sich ändert, muss die Intention, die früher den guten Noten gewidmet war, nun angepasst werden. Das ist nicht leicht zu verinnerlichen, schließlich ist es genau das, was uns vom Kindheitsalter über Entwicklungsphase alltäglich begleitet hat. Dafür bietet sich allerdings die persönliche Zielsetzung an. Was ebenfalls nicht leicht vonstattengeht, woher sollten denn auch die Ziele bekannt sein? Schließlich standen bisher alle Ziele fest: Klausur, Zeugnis, Abschluss

Ebenso problematisch ist das Konzept „Wochenende“. Freitag, Samstag und Sonntag gelten als das Highlight der Woche. Die anderen Tage stellen eine Last dar auf die die Belohnung folgt. Und was soll diese Belohnung sein? Partys, Alkohol und Freunde. Das ist kein Problem des einzelnen Menschen, sondern eines der Gesellschaft. Die Vorstellung, dass Partys mehr Freude bereiten als das Lernen prägt sich über Jahre in unser Gehirn ein. Bei dem Wort lernen allein verlässt die Menge den Saal. Lernen heißt doch nur im Entferntesten das, was wir von der Schule kennen. Denn hier muss eben auch gelernt werden, was einem nicht gefällt. Das Lernen entwickelt sich von einem Wille zu einem Zwang.

Kinder sind lernwillig. Alle Kinder lernen gerne, bis sie in die Schule kommen. Der schlechte Ruf der Schule und deren Umsetzung zerstören die romantische Kind-Wissen-Beziehung. Derselbe Lehrplan für unglaublich verschiedene Menschen kann nur Konflikte mit sich bringen. Sobald sich ein Mensch zwingen muss etwas zu verstehen, was ihn absolut nicht interessiert und deswegen auch schwerfällt, verliert er die Freude am Lernen. Und das passiert bei jedem Schüler früher oder später.

Das Wort „lernen“ benötigt dringend eine Rufaufbesserung.

Eben das lernen, was einen selbst interessiert und zwar lernen des Wissens Wegen. Wissen ist Macht. Mit dem Lernfortschritt verbessert sich der Mensch und gut in etwas zu sein macht einen Menschen glücklich.

Die Freude am Lernen muss zurückgeholt werden. Das geschieht mit dem passenden Themengebiet. Hierfür stellt sich zuallererst natürlich die Frage, was gelernt werden soll. Aber das kann jeder nur für sich selbst herausfinden. Sowie die Schule die Freude des Lernens nehmen kann, ist es auch in ihrer Macht die Freude zu geben. Der weit gefächerte Lehrstoff gewährt den Schülern eine Einblick in verschiedenste Themengebiete, sodass hier schon klar werden kann, was denn in das Interessengebiet fallen könnte. Wenn das in Institutionen wie Schule, Arbeitgeber oder Universität nicht geschehen ist, helfen möglicherweise Bücher und Dokumentationen weiter. Die Faszination für ein Thema zeigt sich von ganz allein.

Deswegen sind Schulabgänger unter anderem so überfordert. Sie haben erstmals die Möglichkeit ihr Leben selbst zu leiten. Sie dürfen sich nun aussuchen, was sie gerne lernen würden. Ist man fündig geworden ist nun der Richtige Umgang mit dem neuen Wissen gefragt. Dafür hat die Schule den Grundstein gelegt.

Denn um Dinge schließlich zu verinnerlichen sind die Methoden, die die Schule uns gelehrt hat unter Umständen sehr hilfreich. Anhören, Aufschreiben, Anwenden

Aber jeder lernt anders besser, da muss eben ausprobiert werden. Und der Antrieb gut zu sein bzw. besser als der Rest ist eine gute Einstellung.

Ein Mensch ist ein lernfähiges Wesen, das endet nicht mit einer vollendeten Schulausbildung, genauso wenig wie nach der Berufsausbildung oder einem Studium. Ich glaube ohnehin, dass viele nur in eine Ausbildung flüchten, um mit dem Wissen der Welt nicht allein gelassen zu werden. Denn Ausbildungen vermitteln Anhaltspunkte, die zeigen, wo der Anfang einer Wissenskette ist.

Spätestens nach der finalen Ausbildung steht jeder für sich auf beiden Beinen. Naja oder auf den Beinen des Arbeitgebers, doch selbst hier hat jeder ständig die freie Wahl die Arbeit anzutreten. Es ist also egal in welchem Arbeiterverhältnis man steht. Den Weg ändern geht nämlich immer.

Unzählige Jahre wurden alle durch Wissen geführt, doch gelernt hat jeder für sich. Nun führt sich jeder selbst und entscheidet den Fortschritt. Wer nicht für sich selbst lernt und sich nicht weiterbildet wird stecken bleiben, während ihn die ganze Welt überholt. Die schwierigste Hürde wird wohl das was sein, gleich gefolgt von dem wie.

Die Phrase „Ich muss lernen“ wird durch „Ich kann lernen, ich will lernen“ ausgetauscht und gibt dem ganzen das gewisse Etwas.

Du bemerkst, dass du essentielle Wissenslücken hast und änderst nichts daran? Dafür ist nicht die Schule verantwortlich.

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