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Allgemein

Wieso du niemals gut DARIN sein wirst

PoV (Point of view) du bist ein Vogelliebhaber. Vögel und alles rund um das Fliegefieh sind absolut dein Ding. Natürlich weißt du wo welche Vögel brüten. Schon beim ersten Blick erkennst du, welcher Vogel gerade vorbeifliegt. Hast zu Hause mehrere Sorten Vogelfutter und weißt, was bei wem gut ankommt um die gefragte Audience herzulocken. Wie wer singt, ist sowieso klar. Gehört schließlich alles zu deinem Interessengebiet. 

Sagen wir, wenn es rund ums Thema Autos geht, hast du keine Ahnung. So arg du es auch versuchst, mit deinen Kollegen kannst du nicht mitreden. So oft haben sie dir schon erklärt wie man den Ölstand überprüft, doch die Motorhaube hast du trotzdem noch nie angerührt. Es ist fast so, als würden die ganzen Erklärungen schneller wieder aus dem Kopf entschwinden, als sie drinnen waren, egal wie einfach und schlüssig sie im Moment des Gesprächs auf dich wirken. Es ist wie verhext. Doch trotzdem ist dir noch nie ein Motor um die Ohren geflogen.  

Was ich damit sagen möchte, ist eigentlich das, was wir alle schon lange wissen: In Sachen, die uns interessieren, sind wir schlichtweg besser. Was aber nicht zwingend heißt, dass man in allem anderen absolut unfähig ist, es aber viel, viel schwerer ist. Doch trotz des Wissens erreichen mich Klagen, wenn uns dieses Prinzip zum Verhängnis wird.  

Bei dieser These stelle ich mir die Frage, ob es im Umkehrschluss überhaupt möglich ist, so richtig gut in etwas zu sein, obwohl man es gerade nicht mag. 

Genau das frage ich mich. Um euch mal abzuholen: Mein Studium gleicht nicht meiner Passion. Trotzdem habe ich einen gewissen Anspruch zu erfüllen. Dieser Anspruch ist nicht weltfremd. Die Leistungen sollen „im normalen Mittelfeld“ liegen. Doch auch mittelmäßige Leistungen kommen nicht von irgendwo. Diese erfordern ebenfalls Fleiß und Arbeit. Das ist kein Novum. Ich stecke viel Mühe und Zeit in meine Leistungen. Manchmal frage ich mich, ob es die Zeit überhaupt wert ist, denn die Leistungen stehen teilweise in keinerlei gesundem Verhältnis zu meinen Bemühungen. Selbst wenn sie meine Ansprüche erfüllen, sind die erbrachten Leistungen teilweise echt frustrierend. Die Bemühungen in Kombination mit den unzufriedenstellenden Leistungen führen zu einer stetig wachsenden Abneigung gegenüber der Thematik. Korrespondierend dazu mindert sich die Bereitschaft zur Leistungserbringung. Das zieht schlussendlich einen ganzen Rattenschwanz nach sich. Am Ende des Tages hat dann keiner was davon. Weder der Leistungsempfänger (z.B. Arbeitnehmer), noch der Leistende (z.B. Arbeitnehmer). Denn deine Bemühungen dankt dir keiner, auf das Ergebnis kommt es an. 

Die Auslöser werden bei den Auswirkungen gerne bei äußeren grundsätzlichen Problemen gesucht, aufbringbares Beispiel wäre hier die immer gerne kritisierte Leistungsgesellschaft. Doch das einzige Problem ist, dass man sich selbst nicht gut genug kennt. Bezogen auf meine Situation, kann ich nur sagen, dass ich mit meinem jetzigen Wissen, mich niemals für diese Richtung entscheiden würde, da es so fern meiner Leidenschaft ist. Wenn ich mich früher kennengelernt hätte, dann wäre ich nun nicht in so einer misslingen Situation. Jetzt weiß ich, was mir Freude bereitet und wie ich damit Geld verdienen könnte, bzw. wie ich meine Zukunft sehe und meinen Alltag leben würde. 

Wenn ich so viel Zeit in die Schreiberei stecken würde, hätte ich vermutlich schon mein erstes Buch veröffentlicht und ein paar mehr Blogartikel geschrieben. Vermutlich mit Ghostwriting sogar schon Geld verdient und viel mehr Qualität in meinen Texten. 

Wenn ich so viel Zeit in die Malerei stecken würde, hätte ich vermutlich mein ganzes Zimmer voller bemalten Leinwände stehen. Ich wäre mit digitaler Art viel vertrauter und hätte schon viel mehr Designs auf Etsy und Redbubble online. Was schlussendlich auch zu einem gewissen Geldfluss kommen würde. Ich hätte mir schon total viel Techniken angeeignet und meine Kunst wäre nicht so laienhaft, wie sie jetzt leider noch ist. 

Das alles würde zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und Freude führen. Ich würde jeden Tag aufstehen und Lust auf die anstehende Arbeit haben. Ich weiß, dass ich mich schnell verbessern würde, da ich den Fortschritt auch so schon sehe, doch mir fehlt Zeit. Zeit das alles zu Intensivieren. 

Denn ich stecke Zeit in ein duales Studium. Und das ist viel Zeit. Für diese Zeit könnte man meinen, dass ich wenigstens gut in dem wäre, was ich da lerne. Doch das ist nicht so. Ich bemühe mich und will darin gut sein. Ich investiere Zeit. 

Kann es sein, dass man nur richtig gut in seiner Passion werden kann? Weil nur bei der Leidenschaft der ganze Körper absolut mitwirkt. Bei der Leidenschaft gibt es auch keinen inneren Schweinehund. Das ist schließlich das, was man machen möchte, nicht muss. Mir ist klar, dass jede Arbeit auch unliebsame Aufgaben mit sich bringt, doch was ist, wenn eine Arbeit neben den unliebsamen auch freudige Aufgaben mit sich bringt? Auf das Verhältnis kommt es am Ende des Tages, nämlich an. Ist das für mich Okey? Ist das erstrebenswert? Na ja, das ist eigentlich nicht das Thema. 

Ich glaube, dass es in jedem Menschen eine Leidenschaft gibt, die mal mehr, mal weniger ausgeprägt ist. Die Ausprägung der Leidenschaft reguliert dementsprechend die Leistungen. Darunter fallen die Leistungen der Leidenschaft, sowie die der davon abweichenden Aufgaben. 

Manchmal hab ich das Gefühl, dass es zu selbstverständlich ist viele Kompromisse im Leben zu schließen, um gut durchzukommen. Mit diesem Gefühl kochen in mir regelmäßig Angststörungen auf. Aus Angst gefangen zu sein. Gefangen im System der Welt. Überall sieht man, wie sich immer mehr und mehr davon lösen und „Ihr eigenes Ding“ machen. Trau dich und Warte nicht lautet das Motto. Doch man hört immer nur von den erfolgreichen Geschichten. Nie von den gescheiterten Persönlichkeiten. Außerdem will man ja auch nichts überstürzen. Dann redet man sich die eigene Situation erstmal wieder gut und rationalisiert die Probleme herunter. 

Für die Zukunft muss Leistung erbracht werden. Dabei sind Kompromisse zu schließen. Wenn auf der Agenda hunderte unzusammenhängende To-Do´s stehen, werden sich die Leistungen der einzelnen Aufgaben schmälern. Manches ist eben nur Okey und manches muss nebenher laufen. Aber wer dranbleibt, wird seinen Träumen immer näher kommen. Ich glaube daran, auch wenn es immer mal wieder Momente gibt, in denen ich an nichts mehr glaube. 

Anlass für diese Gedankenschauklerei ist mein erster Verkauf auf Etsy. Ich würde gerne schneller mehr bessere Designs meinem Portfolio hinzufügen, doch das passt nun mal nicht zu der alltäglichen To-Do Liste. Und trotzdem komme ich meinem Ziel der kreativen Selbständigkeit näher, nur eben langsamer. 

Danke für die Aufmerksamkeit. 
Ich freue mich über eure Geschichten, Sichtweisen und Worte. 

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