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Philosophieren

Schreib dich frei

Viele Berichte und Bücher erzählen von dem „Gesundschreiben“ bzw. „Schreiben als Therapie“. Was wirklich dahinter steckt, konnte ich eine lange Zeit nicht verstehen. Aber ich glaube an das, was die Überschriften der oben genannten Werke versprechen. Als leidenschaftlicher Schreiberling, der sein mittlelgroßes inneres Chaos damit verarbeitet, möchte ich zum Schreiben ermutigen. Ich glaube, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, aber nicht jeder weiß, wie er das zu bewältigen hat.

Ich schreibe so gerne, weil es etwas zwischen mir und der Tastatur oder dem Block ist. Es ist intim. Eigentlich als würde man mit sich selbst reden. Schließlich gilt die geschriebene Sprache auch als Art der Kommunikation. Der Unterschied ist, dass hier kein Gegenüber vonnöten ist. Auch wenn ich mich über jeden Leserin freue, habe ich während des Schreibens nicht das Gefühl, dass ich das mit irgendwem teilen werde. Dementsprechend ist das irgendwie ungezwungener und einfacher. Außerdem muss ich mir keine Sorgen darüber machen, wie meine Worte aufgenommen werden, oder ob ich meinen Gesprächspartner langweile.

Oft machen sich Menschen über ein Tagebuch lustig, doch ist das nicht eigentlich die beste Art und Weise Dinge für sich zu bearbeiten? Blogger machen praktisch auch nichts anderes. Sie reden in eine Kamera, drehen Storys etc. Manche Menschen nennen es Hobby, ich nenne es Selbsttherapie und Verarbeitung.

Außerdem dient das Schreiben dem Sortieren von Gedanken. Manchmal hat man so viele Dinge im Kopf, da ist es auch leichter das Wissen einfach auf ein Blatt Papier outzusourcen.

Gerade in einer Zeit, in der alles so schnelllebig ist, werden oft Dinge gesagt, die man nach kurzem Nachdenken nicht von sich gegeben hätte. So schnell wie es einem möglich ist etwas zu sagen ist es unmöglich zu schreiben, deswegen ist es eigentlich gar keine schlechte Idee, gerade über heikle Themen zuallererst einmal ein (Blog-)Artikel zu schreiben und dann in den mündlichen Diskurs zu gehen. Nicht zu vergessen ist die „Entf-Taste“ vor der Veröffentlichung. Nicht veröffentlicht heißt schließlich nicht nicht niedergeschrieben.

Schreiben wird mit der Zeit zur Ruhephase. Denn neben dem Schreiben ist es dir nicht möglich andere Dinge zu machen. Es ist so, als würde die Welt für eine kurze Zeit stehen bleiben. Wir alle kennen es- Ein Gespräch mit einer Person fesselt uns so sehr, dass wir wahrlich an den Lippen der Person gegenüber gefesselt sind und Zeit und Raum dabei vergessen wird. Wieso solltest also nicht du diese Person für dich selbst sein?

Schreiben ist nicht gleich schreiben. Das Schreiben mit sich selbst muss genauso gelernt werden wie das wissenschaftliche Schreiben oder das lyrische Schreiben. Doch wenn man dies einmal beherrscht ist es eine angenehme Sache, die eine meditative Wirkung auf dich haben wird.

Ein Moment der Stille. Ein Ort des Wohlfühlens.

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